Agroforstwirtschaft und Biodiversität

In agroforstwirtschaftlichen Systemen wird die landwirtschaftliche Produktion (Ackerbau oder Weide) mit der forstwirtschaftlichen Produktion (Bäume oder Sträucher für Früchte, Nüsse oder Holz) kombiniert. Mit dieser Form der Landbewirtschaftung sind positive Effekte verbunden wie verbesserte Wasser- und Nährstoffversorgung, erhöhte Bodenfruchtbarkeit, verringerte Erosion, Grundwasserschutz, Klimaschutz, Erhalt der Artenvielfalt und eine Erweiterung der Produktpalette.
Am HEF wird ein Graduiertenprogramm zu Agroforstsystemen (AF) eingerichtet, das auf der interdisziplinären Zusammenarbeit von Agrar- und Forstwissenschaftlern aufbaut und Modellierungsansätze mit experimentellen Ansätzen verknüpft. AF konzentriert sich auf die Integration von Gehölzen in Agrarlandschaften, um ökologische, wirtschaftliche und soziale Bedürfnisse zu erfüllen, mit dem Ziel, die Widerstandsfähigkeit und Ökosystemleistungen von Landschaften durch Multifunktionalität und Biodiversität zu erhöhen. Im Rahmen des Graduiertenprogramms sollen in verschiedenen Promotionsprojekten die Auswirkungen von Kombinationen der forstlichenNutzung von Sträuchern, Obst- und Nussbäumen un der landwirtschaftlichen Flächennutzung auf die Leistung von Landnutzungssystemen auf verschiedenen Ebenen untersuchen. Dabei werden moderne digitale Techniken zur Datenerfassung und -bereitstellung, Modellierung und "Smart Farming" eingesetzt. Ein Besonderheit ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten aus einem breiten Spektrum von Landwirtschafts-, Forst- und Umweltwissenschaften am Standort.
Versuchsflächen an der TUM
Seit 2023 baut die TUM gezielt eigene Agroforst-Landschaftsexperimente auf. Auf der TUM Forschungsstation Roggenstein, rund 20 Kilometer westlich von München, wurden dafür auf 31 ha Versuchsflächen angelegt. Insgesamt gibt es 80 Teilflächen auf denen verschiedene Agroforst- mit Acker- und Wald-Plots verglichen werden können.
Auch am Campus der TUM School of Life Sciences in Freising gibt es eine Versuchsfläche: den Agroforst-Showcase in Dürnast. Die Demonstrationsfläche ist 1,5 ha groß und zeigt vier Agroforst-Designs.
Etablierung von Agroforstflächen an der TUM Forschungsstation Roggenstein abgeschlossen
Ende März wurde an der TUM-Forschungsstation Roggenstein ein wichtiger Meilenstein erreicht: Mit einer zweitägigen Pflanzaktion am 26. und 27. März 2026 konnte die Etablierung der Agroforstflächen erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Maßnahme wurde vom HEF organisiert und finanziert und durch den engagierten Einsatz von insgesamt 16 Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Disziplinen umgesetzt – von Wald- und Agroforstsystemen über Biophysik und Umweltsysteme bis hin zu Renaturierungsökologie, Plant-Insect-Interaction und dem TUM Plant Technology Center.
Im Rahmen der abschließenden Pflanzung wurden Walnussbäume in das System integriert. Damit umfasst die Anlage nun insgesamt sechs Baumarten und vier Straucharten. Diese gezielt zusammengestellte Vielfalt bildet die Grundlage für ein strukturell reiches Agroforstsystem, das sowohl ökologische Funktionen wie Biodiversitätsförderung, Mikroklimaregulation und Bodenverbesserung unterstützt als auch optimale Voraussetzungen für zukünftige Forschungsarbeiten bietet.
Die Pflanzaktion verdeutlicht eindrucksvoll, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit und praktisches Engagement zusammenwirken, um innovative Landnutzungssysteme vor Ort umzusetzen. Sie markiert zugleich einen wichtigen Schritt, um Agroforstsysteme als nachhaltige und resiliente Form der Landbewirtschaftung weiterzuentwickeln.
Konsortium
TUM:
- Prof. Dr. Thomas Knoke (Initiator), Professur für Waldinventur und nachhaltige Nutzung
- Prof. Wolfgang W. Weisser, Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie
- Prof. Peter Annighöfer, Professur für Wald- und Agroforstsysteme
- Prof. Senthold Asseng, Lehrstuhl für Digital Agriculture
- Dr. Lucie Chmelíková, Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme
- Prof. Thorsten Grams, Professur für Land Surface-Atmosphere Interactions
- Prof. Thomas H. Kolbe, Lehrstuhl für Geoinformatik
- Prof. Johannes Kollmann, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie
- Prof. Sara Diana Leonhardt, Professur für Plant-Insect Interactions
- Prof. Luisa Menapace, Professorship Governance in International Agribusiness
- Prof. Annette Menzel, Professur für Ökoklimatologie
- Prof. Anja Rammig, Professur für Land Surface-Atmosphere Interactions
- Prof. Johannes Sauer, Lehrstuhl für Produktions- und Ressourcenökonomie landwirtschaftlicher Betriebe
- Prof. Michael Schloter, Professur für Umweltmikrobiologie
- Prof. Kang Yu, Professur für Precision Agriculture
HSWT:
- Prof. Dr. Bernhard Schauberger, Professur für Agrarsysteme und Klimawandel
LfL:
- Dr. Annette Freibauer, Leitung Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz



